Stefanie Karáth

Schwerpunkt

«Ich habe drei Nächte nicht geschlafen. Nach dem Gespräch hat es elf Minuten gedauert.»

Das Gespräch, vor dem Sie sich drücken.

Die schlechte Leistung, das Verhalten im Team, die Kündigung, die Rückmeldung nach oben. Hier steht, wie Sie ein solches Gespräch vorbereiten – konkret genug, dass Sie es auch ohne mich hinbekommen.

Leerer Besprechungsraum mit zwei Stühlen gegenüber einem Tisch im Nachmittagslicht
VorbereitungSatz für Satz

Wenn Sie ein Verhalten zum dritten Mal denken, muss es gesagt werden.

30 Min.

So lang plant man ein Kritikgespräch. Nicht 60. Und nichts danach.

2 Sätze

Der Einstieg entscheidet. Formulieren Sie ihn wörtlich aus.

Warum Gespräche liegen bleiben

Nicht aus Feigheit. Sondern weil zwei Dinge gleichzeitig wahr sind: Sie möchten die Beziehung nicht beschädigen, und Sie sind nicht sicher, ob Ihre Wahrnehmung stimmt. Also warten Sie auf einen weiteren Vorfall, der Ihnen recht gibt. Dieser Vorfall kommt, und danach warten Sie auf den nächsten.

Der Preis dafür ist hoch. Für Ihr Gegenüber, das aus einer Kleinigkeit plötzlich eine Liste von zwölf Punkten präsentiert bekommt. Für das Team, das längst sieht, was Sie nicht ansprechen. Und für Sie: Wer ein Thema monatelang mit sich trägt, führt es irgendwann emotional statt sachlich.

Wenn Sie ein Verhalten zum dritten Mal denken, muss es gesagt werden. Nicht als Eskalation – in fünf Minuten, beiläufig, konkret.

So bereiten Sie es vor

Schreiben Sie zuerst drei Sätze auf, bevor Sie irgendetwas anderes tun:

  1. 1Was ist beobachtbar passiert – Datum, Situation, Wirkung, ohne Interpretation.
  2. 2Was muss sich konkret ändern, bis wann.
  3. 3Was passiert, wenn es sich nicht ändert.

Wenn Sie den dritten Satz nicht schreiben können, führen Sie noch kein Kritikgespräch, sondern ein Klärungsgespräch – auch das ist in Ordnung, Sie sollten es nur wissen.

Formulieren Sie den Einstieg wörtlich aus und lernen Sie ihn fast auswendig. Kein Small Talk, kein Lob als Puffer:

«Ich möchte mit Ihnen über die Übergabe vom Dienstag sprechen. Für mich hat das nicht funktioniert, und ich erkläre Ihnen, warum.»

Planen Sie 30 Minuten, nicht 60, und legen Sie nichts direkt danach in Ihren Kalender. Reservieren Sie einen Raum, in dem Sie niemand sieht. Und entscheiden Sie vorher, was Ihr Mindestergebnis ist: das, ohne das Sie nicht aus dem Raum gehen.

Tränen, Schweigen, Lautstärke

Vier Reaktionen kommen immer wieder. Für jede gibt es einen Satz, den Sie vorher kennen sollten.

Tränen

Sie unterbrechen die Sache nicht und entschuldigen sich nicht für das Thema. Pause, Glas Wasser, «Nehmen Sie sich Zeit. Ich bleibe sitzen.» Danach zurück zum Inhalt. Tränen sind eine Reaktion, kein Widerspruch.

Schweigen

Halten Sie es aus. Zählen Sie innerlich bis zehn. Wer die Stille füllt, verhandelt gegen sich selbst. Nach zwei Anläufen: «Ich merke, das braucht Zeit. Donnerstag wieder – dann möchte ich Ihre Sicht hören.»

Lautstärke

Werden Sie leiser statt lauter, benennen Sie das Verhalten, setzen Sie eine Grenze: «Nicht in diesem Ton. Fünf Minuten Pause.» Passiert es erneut, beenden Sie das Gespräch und terminieren neu. Das ist Führung, keine Niederlage.

Gegenangriff

Nehmen Sie den berechtigten Teil sofort an und trennen Sie ihn vom Thema: «Das stimmt, die Info kam von mir zu spät. Das ändert nichts daran, dass die Übergabe nicht funktioniert hat.»

Was Sie dokumentieren

Festhalten

Datum, Anwesende, besprochenes Verhalten, Vereinbarung, Frist. Drei bis fünf Sätze, sachlich – in einer Form, die Sie der betroffenen Person zeigen könnten. Am besten schicken Sie sie ihr direkt: «Damit wir dasselbe verstanden haben.»

Nicht festhalten

Vermutungen über Motive, Gesundheitliches, Privates, Bewertungen der Person. Und keine heimliche Sammlung, die im entscheidenden Moment auf den Tisch kommt. Das kippt jedes Verfahren – und jedes Vertrauen im Team.

Wann HR dazukommt

Früher als die meisten denken – aber mit realistischen Erwartungen. HR ist zuständig, sobald es um arbeitsrechtliche Folgen geht: Verwarnung, Kündigung, Freistellung, Krankheit, Vorwürfe zwischen Mitarbeitenden. Bei einem Leistungsthema, das Sie selbst klären können, brauchen Sie HR nicht.

HR übernimmt das Thema nicht für Sie. Sie bekommen Prozessberatung, Formulierungshilfe und den Hinweis, was dokumentiert sein muss – führen müssen Sie das Gespräch weiterhin selbst. Rechnen Sie damit, dass der Prozess langsamer wird und Vorgesetzte einbezogen werden. Beides ist normal.

HR vertritt das Unternehmen, nicht Sie persönlich. Was Sie dort sagen, ist nicht vertraulich.

Genau deshalb brauchen manche Führungskräfte einen Ort ausserhalb der Firma, an dem sie laut denken können.

Wenn es Ihr Chef ist

Dann gelten dieselben Grundlagen, aber Sie haben weniger Spielraum und mehr zu verlieren. Drei Dinge helfen. Erstens: Kündigen Sie das Thema an, statt es in einem Regeltermin zu platzieren. «Ich hätte gern zwanzig Minuten zu unserer Zusammenarbeit, nicht zum Projekt.» Zweitens: Sprechen Sie über Wirkung, nicht über Charakter. «Wenn Entscheide im Meeting geändert werden, ohne dass ich es vorher weiss, kann ich mein Team nicht führen.» Drittens: Bringen Sie einen Vorschlag mit. Kritik nach oben ohne Vorschlag wird als Beschwerde gehört.

Und die ehrliche Grenze: Manche Konstellationen ändern sich nicht. Dann geht es im Coaching nicht mehr darum, das Gegenüber zu verändern, sondern darum, was Sie mit Ihrer Situation machen – bleiben und die Erwartungen anpassen, intern wechseln oder gehen. Diese Entscheidung nehme ich Ihnen nicht ab, aber Sie müssen sie nicht allein treffen.

Gemeinsam vorbereiten

In einem Klarheitsgespräch über 90 Minuten gehen wir Ihre konkrete Situation durch: Wir schärfen die Beobachtung, formulieren die Einstiegssätze wörtlich, spielen die Reaktionen durch, vor denen Sie sich fürchten, und legen fest, was Sie danach schriftlich festhalten. Sie gehen mit einer Notiz heraus, die Sie am Morgen des Gesprächs noch einmal lesen können.

Ich weiss, was auf der anderen Seite des Tisches passiert, weil ich dort sass: als Führungskraft, die diese Gespräche geführt und die Einstellungs- und Trennungsentscheide getroffen hat. Auch die Gespräche, die schiefgingen.

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«Ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen soll.»

Dann fangen wir genau dort an.

30 Minuten, kostenlos, per Video. Sie schildern Ihre Situation, ich sage Ihnen ehrlich, ob ich die Richtige bin. Kein Verkaufsgespräch – wenn ich Ihnen nicht helfen kann, sage ich das im Gespräch.